Flotte Feger
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"Flotte Feger" in der Realschule
"Die Schulleiterin lässt die Kinder putzen". Das bekam Schulleiterin Michaela Schabel in den letzten Wochen des öfteren von einzelnen Eltern und indirekt von Politikern zu hören. Sie lächelt spitzbübisch. "Eigentlich müsste man uns dankbar sein, dass wir den Kindern beibringen, was im Grunde selbstverständlich sein sollte."
Die Geht-mich-doch-nichts-an-Mentalität greift leider überall um sich. Schon Kinder finden es selbstverständlich, alles liegen und stehen zu lassen. Hier ein Plastikbecher, dort ein Blatt Papier. Spiralblockreste, Papiertaschentücher, Schokoriegelverpackungen, Plastiktüten. Absichtlich und unabsichtlich fällt ständig etwas zu Boden: in den Klassenzimmern und vor allem im Schulforum während der Pausen. Im letzten Schuljahr spendierte der Elternbeirat jedem Schüler ein Eis. Nachher war der Pausenhof übersäht mit Eisstielen. Konsumieren, wegwerfen ist das übliche Verhalten. Welche Kosten produziert werden, sieht man an der Reinigung des Deggendorfer Stadtplatzes, wenn mühevoll die Kippen aus den Plattenfugen entsorgt werden müssen.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Das alte Sprichwort trifft die gesellschaftliche Wirklichkeit haarscharf. Kinder haben kaum noch Lernsituationen in punkto Sauberkeit und Ordnung. Mütter führen oft einen frustrierenden Kampf, ihren Sprösslingen beizubringen, das Zimmer aufzuräumen, im Haushalt mitzuhelfen. Das hartnäckige Nein und Verweigern pubertierender Jugendlicher sägt an den Nerven ohnehin gestresster Eltern. Nachgeben ist oftmals leichter als konsequent Grenzen zu setzen. In der Öffentlichkeit vor Ort entsorgt, was man nicht braucht. Fällt etwas neben den Papierkorb, bleibt es liegen. Ist kein Papierkorb in der Nähe, lässt man Müll neben der Parkbank, auf der Badewiese oder Sporttribüne liegen. Die Kommunen sorgen schon wieder für Sauberkeit. An die Kosten denkt keiner. "
Kinder und Jugendliche müssen Grenzen und Konsequenzen erleben und wieder die Kultur des Hinschauens und der Verantwortlichkeit lernen"; meint Schulleiterin Schabel. Die Eigenverantwortlichkeit wird an der Plattlinger Realschule groß geschrieben. Wenn eine Klasse sich zu benehmen weiß, jeder das aufhebt, was ihm hinunterfällt, muss nicht gefegt werden.
Wer wenn nicht die Schule neben der Familie soll den Kindern etwas beibringen.
Den Vorwurf, dass wichtige Unterrichtszeit verloren geht, kann die Schulleiterin entkräften. Bei 18 Klassen kommt eine Klasse maximal zweimal im Jahr an die Reihe, nach der zweiten Pause das Forum eine Woche lang zu fegen. Je nach Zuverlässigkeit der Schüler wechseln die "Fegergruppen". Bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 28 Schülern trifft der Kehrdienst einen Schüler zwei bis dreimal im Jahr. Im Vergleich zu der Zeit, die Schüler oft und regelmäßig in den Zwischenstunden auf der Toilette verbringen, eine verschwindend geringe Zeit.
Den erzieherischen Wert dieser Maßnahme werden Jugendliche spätestens dann erkennen, wenn sie selbst mit ihrem Nachwuchs um Ordnung und Sauberkeit kämpfen.






















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